Politik & Wirtschaft

Corona-Impfungen: Alle Fakten zu Impfstoffen und Impfkampagne

· Lesezeit 7 Minuten.

Die Schwächsten zuerst - dieses Prinzip gilt für die Corona-Schutzimpfungen in Rheinland-Pfalz. Gesunde Menschen müssen sich noch einige Zeit gedulden. Fest steht schon jetzt: Der Pharmastandort Deutschland hat im Kampf gegen Corona seine Fähigkeit zu anspruchsvollen Erfindungen und Produktionsprozessen unter Beweis gestellt. "Wir. Hier." hält Sie zur Impfkampagne auf dem Laufenden.

 

Was sind Selbsttests?

 

Selbsttest funktionieren ähnlich wie Antigen-Schnelltests, die durch geschultes Personal vorgenommen werden. Die Probe wird jedoch nicht durch Rachenabstrich oder aus dem tieferen Nasenbereich entnommen, sondern aus dem vorderen Bereich der Nase. Das macht die Anwendung vergleichsweise einfach. In nächster Zeit sollen auch Gurgel- und Spucktests hinzukommen.

 

Wie sicher sind Selbsttest?

 

Das Robert Koch-Institut (RKI) verweist auf Studien, wonach die Ergebnisse von Eigentests bei richtiger Anwendung vergleichbar sind mit der Testung durch geschultes Personal. Allerdings bieten sie keine völlige Gewissheit. Allein bei der Probeentnahme, der Lagerung oder dem Transport können (menschliche) Fehler passieren. Ob Selbst oder Schnelltest –  ein positives Ergebnis muss durch einen professionellen Test (PCR-Test z. B. im Impfzentrum, beim Hausarzt) bestätigt werden. Dazu bitte die Hausarztpraxis anrufen oder die landesweite Telefonnummer 116117. Bis ein Ergebnis vorliegt, sollte man sich in Quarantäne begeben.

 

Was ist mit Schnelltests?

 

Spätestens ab Anfang April sollen sich alle Menschen in Rheinland-Pfalz einmal pro Woche kostenlos auf eine Corona-Infektion testen lassen können. Bereits am 8. März starteten dazu die ersten in Schnelltestzentren. Wo diese sind und was zu beachten ist: corona.rlp.de 

 

Wie steht es um die Impfstoffentwicklung weltweit?

 

Nie zuvor sind Impfstoffe so schnell entwickelt und auf den Markt gebracht worden wie gegen die Corona-Pandemie. Bis jetzt sind weltweit zehn Covid-Impfstoffe in einem oder mehreren Ländern zugelassen – von den Herstellern Biontech/Pfizer, Moderna, Astra-Zeneca, Johnson & Johnson, vier weitere Impfstoffe aus China und je einer aus Russland und Indien. Zudem zählte der Verband der forschenden Pharmahersteller (VfA) Anfang März über 270 Covid-Impfstoff-Projekte, zu denen entweder schon klinische Studien laufen oder die kurz davor stehen. Fest steht: Während die Impfstoff-Versorgung schleppend angelaufen ist, zeichnet sich für die Zukunft beinahe schon eine Impfstoff-Schwemme ab.

 

Was sind wichtigste Ergebnisse des Impfgipfels?

 

Die Bundesregierung rechnet damit, dass Deutschland im zweiten Quartal 77 Millionen Impfdosen gegen das Coronavirus bekommt, im Sommer sogar 126 Millionen. Läuft es gut, könnte Deutschland in diesem Jahr 322 Millionen Impfstoffdosen erhalten. Das wäre mehr als genug, selbst wenn jeder Impfwillige zweimal immunisiert werden müsste. Ob es so kommt, bleibt abzuwarten: Zulassung, Produktion und Lieferung verlaufen nicht immer wie geplant, wie die vergangenen Wochen zeigen. Es ist schon eine Riesenleistung, dass überhaupt in so kurzer Zeit Impfstoffe verfügbar sind - und deren Herstellung verläuft zum Teil neu und ist aufwändig.

 

Warum ist die Impfstoff-Produktion schwierig?

 

Die Herstellung eines Impfstoffs ist komplex. Herausfordernd ist gerade auch die gleichbleibende Qualität aller Chargen. Die ruckelnde Lieferung von Nachschub verwundert Experten daher weniger - mal ganz abgesehen von den vieldiskutierten Liefervereinbarungen. Denn bei der Herstellung von Präparaten wie dem von AstraZeneca werden keine chemischen Verfahren genutzt, mit denen normalerweise Arzneimittel herstellt werden. Vielmehr handelt es sich um biologische Verfahren - es wird also auch mit lebenden Organismen gearbeitet. Und diese passen sich an verschiedene Bedingungen sehr schnell an. Das stellt besonders hohe Ansprüche an die Herstellungsverfahren, insbesondere bei großen Chargen. Die Entwicklung eines Herstellungsprozesses für Impfstoffe dauert oft Jahre - auch wenn er üblicherweise parallel zur Impfstoffentwicklung vorangetrieben wird. Für die komplett neuen mRNA-Impfstoffe wie die von Biontech-Pfizer sind übrigens nicht ganz so komplexe Produktionsverfahren nötig. Das ist ein wichtiger Grund dafür, dass die Versorgung hier besser läuft - erst recht, wenn auch das umgerüstete Werk in Marburg ausliefern kann.

 

Ist man nach einer Impfung sicher?

 

Klar ist: Vor einer Erkrankung schützt die Impfung. Möglicherweise lässt die ausgelöste Immunantwort mit der Zeit jedoch nach. Dann wäre eine Auffrischung der Impfung erforderlich. Möglicherweise bewirkt die Impfung auch, dass das Virus nicht weitergegeben werden kann. Wissenschaftlich eindeutig belegt ist all dies bisher noch nicht, es fehlt noch an Erfahrungen.

 

Wann ist Herdenimmunität erreicht?

 

Das hängt wesentlich von der Geschwindigkeit ab, mit der sich das Virus ausbreitet. Bisher geht man davon aus, dass es ausreicht, wenn 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung durchgeimpft sind. Die mutierten Virus-Varianten etwa aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien verbreiten sich aber schneller. Unter Umständen macht das eine Impfquote von 80 Prozent erforderlich, schätzen Experten. Zum Vergleich die Masern: Sie verbreiten sich sehr leicht. Hier gilt Herdenimmunität als erreicht, wenn 95 Prozent geimpft sind.

 

Kriegen wir die Corona-Pandemie durch Impfungen in den Griff?

 

Überwunden werden kann Covid-19 nur mithilfe gleich mehrerer Impfstoffe. Bereits eingesetzt wird der des Mainzer Pharmaunternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer. Anfang Januar 2021 wurde der Impfstoff von Moderna in der EU zugelassen, weitere sollen folgen (etwa von Astra-Zeneca, Janssen, Sanofi-GSK, Curevac und Novavax). In Deutschland laufen aktuell elf Covid-Impfstoffprojekte - ein Topwert auch international. Um Tempo zu machen, produzieren viele Hersteller schon jetzt, haben ihre Produktionskapazitäten ausgebaut und Lohnfertiger beauftragt, die Komponenten zuliefern oder einzelne Herstellungsschritte übernehmen. Mehr Infos: ihre-chemie.de

 

Wie war die schnelle Entwicklung des Biontech-Impstoffs möglich?

 

Normalerweise dauert eine Impfstoffentwicklung neun Jahre und mehr. Diesmal war es nicht einmal ein Jahr. Beispiellos Tempo gemacht werden konnte dank neuer Technologien und Vorerfahrung mit Impfstoffprojekten gegen verwandte Viren. Hinzu kommt die Leistung vieler Menschen - Spezialisten aus Unternehmen, Arzneimittelbehörden, Ethikkommissionen und Kliniken ebenso wie Verantwortliche in Regierungen und in der EU-Kommission. Nicht zu vergessen die zehntausenden Studienteilnehmer weltweit.

 

Wie viel Impfstoff ist verfügbar?

 

Auch wenn es anfangs noch geruckelt hat - im ersten Quartal 2021 sollen laut Bundesgesundheitsministerium bundesweit 11 bis 13 Millionen Impfdosen ausgeliefert werden. Das reicht für 5,5 bis 6,5 Millionen Menschen - schließlich muss das Biontech-Präparat zweimal innerhalb einiger Wochen verabreicht werden. Insgesamt hat sich der Bund für 2021 bisher 136 Millionen Impfdosen verschiedener Anbieter gesichert. Mehr Infos unter zusammengegencorona.de

 

Wer wird zuerst geimpft?

 

In Rheinland-Pfalz impfen mobile Teams bereits die Bewohner und Mitarbeiter in Einrichtungen der Senioren- und Behindertenpflege. Gleiches gilt für die ambulante Pflege. Ebenfalls Vorrang genießen über 80-Jährige sowie medizinisches Personal etwa von Covid-Stationen und Notaufnahmen in Krankenhäusern. Pro Tag plant das Bundesland mit 7.200 Impfungen nach der Anlaufphase. Die Teilnahme ist für jeden freiwillig. Alle Infos unter corona.rlp.de

 

Was kostet die Impfung?

 

Unabhängig davon, ob und wie jemand krankenversichert ist - die Impfung ist gratis, die Kosten für die Impfstoffe übernimmt der Bund (2021 voraussichtlich 2,7 Milliarden Euro bundesweit). Hinzu kommen Verteilung, Personal etc. Mit Gesamtkosten von bis zu 6 Milliarden Euro wird für 2021 gerechnet.

 

Wie erhalte ich einen Termin in einem Impfzentrum?

 

In Rheinland-Pfalz gibt es 31 regionale Impfzentren. Seit 7. Januar werden hier zunächst über 80-Jährige versorgt. Danach folgen weitere Risikogruppen. Breit angelegte Massenimpfungen auch von jungen und gesunden Menschen werden voraussichtlich zur Jahresmitte möglich sein. Termine gibt es telefonisch (0800-5758100) oder über impftermin.rlp.de

 

Welcher Impfstoff schützt am besten?

 

Es ist noch nicht bekannt, welche Impfstoffe am längsten schützen, welche sich auch für Minderjährige eignen und welche bei Geimpften zusätzlich das Ansteckungsrisiko für andere senken. Die nötigen Erfahrungen werden im Laufe der nächsten Zeit zusammenkommen.

 

Muss ich mit Nebenwirkungen rechnen?

 

Eine Reaktion des Immunsystems auf eine Schutzimpfung ist normal, schließlich soll der Körper eine wirksame Abwehr aufbauen. Häufigste Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen, Fieber und Schmerzen an der Einstichstelle. Die EU-Arzneimittelagentur EMA berichtet beim Biontech-Präparat über schwache bis mäßige Verläufe, die bald abklingen. Aktuelle Informationen gibt es beim Paul Ehrlich-Institutt unter pei.de

 

Gibt es auch schwerere Impffolgen?

 

Der Impfstart in Rheinland-Pfalz verlief gut, es gab keine Rückmeldungen über schwere Impffolgen. In den USA und Großbritannien, wo zu Jahresbeginn insgesamt über fünf Millionen Menschen mit dem Biontech-Präparat geimpft wurden, gab es sehr wenige Fälle ernster allergischer Schocks. Die Behörden rieten daher von Impfungen bei Patienten ab, die bereits früher entsprechende Reaktionen auf Medikamente, Lebensmittel oder Impfstoffe zeigten. Alle beobachteten Fälle waren schnell therapiert.

 

Werden Nebenwirkungen überwacht?

 

Die Verträglichkeit des Impfstoffs wird genau überwacht. Dafür setzt das zuständige Paul-Ehrlich-Institut auf Meldungen von Herstellern, Ärzten und Patienten. Der einfachste Weg führt über die Plattform nebenwirkungen.bund.de

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