Chemie einfach erklärt

Urlaub mit Hund: Das gehört in die Reiseapotheke

Von Erbrechen bis Zecke: Handfeste Tipps für medizinisches Equipment im Urlaub

von Sabine Latorre

· Lesezeit 4 Minuten.
Hund liegt in der Hängematte. Foto: Anastasiia – stock.adobe.com
Gesund in den Ferien: Die Apotheke für den Vierbeiner nicht vergessen! Foto: Anastasiia – stock.adobe.com

Im Urlaub sollte es allen gut gehen – auch der Fellnase: „Wie wir Menschen brauchen auch Hunde eine Reiseapotheke – vor allem, wenn man an entlegeneren Orten unterwegs ist“, rät Tierärztin Melanie Müller. Sie ist selbst viel mit ihrer Magyar Viszla Hündin Else draußen unterwegs: „Wir erklimmen Berge in Norwegen oder sind mit dem Fahrrad unterwegs“, sagt sie. Notfallmedikamente und Arzneimittel für typische Krankheiten oder Hundeleiden hat sie immer griffbereit. Wir.Hier. hat mit ihr gesprochen und das Wichtigste zusammengefasst. Zudem haben wir passende Infos zu Impfungen und Medikamenten von MSD Health – Spezialist für Tiergesundheit mit einem Standort in Rheinland-Pfalz – ergänzt.


Warum ist eine Reiseapotheke für den Hund so wichtig?

Müller: „Böse Überraschungen wie Zeckenbisse, Wespenstiche, Schnittwunden oder Durchfall können die Urlaubsfreude gehörig trüben. Daher sollte man die passenden Medikamente oder medizinischen Instrumente zur Hand haben, um schnell erste Hilfe zu leisten.“

Das gehört unbedingt hinein: 

•    individuelle Medikamente, die das Tier regelmäßig braucht
•    Jodlösung zur Desinfektion
•    Elektrolytlösung und Kohletabletten
•    Mittel gegen Durchfall
•    Schmerzmittel
•    Beruhigungsmittel
•    Mittel gegen Reisekrankheit
•    Wund- und Heilsalbe
•    sterile physiologische Kochsalzlösung (um Augen oder Wunden zu spülen)
•    Spritze (ohne Nadel!)
•    Verbandsmaterial und Schere
•    Fieberthermometer
•    Mittel zur Parasitenabwehr
•    Flohkamm
•    Pinzette und Zeckenzange
•    Pfotensalbe
•    Einweghandschuhe

Aber Vorsicht: „Nicht jedes Medikament – wie zum Beispiel Schmerzmittel – darf ohne akute Indikation abgegeben werden“, warnt die Expertin. „Lieber vorher tierärztlichen Rat einholen oder im Zweifelsfall vom Urlaubsort aus Rücksprache mit der Tierarztpraxis halten.“ 

Melanie Müller und Else. Foto: Evgenij Henning AGILA

Melanie Müller und Else. Foto: Evgenij Henning AGILA

Womit muss man unterwegs zum Beispiel rechnen? 

Reisekrankheit: Autofahrten und vor allem Reisen mit dem Flugzeug sind für Hunde aufregend. Müller: „Hierbei gerät das Gleichgewichtsorgan durch den Widerspruch aus Bewegung des Autos und gleichzeitigem Ruhezustand des Hundes aus dem Lot. Es kommt zu Übelkeit und Erbrechen.“ Viele Pausen können dem Tier helfen, aber auch spezielle Reisemedikamente.

Augenleiden: Eine Binderhautentzündung zählt zu den häufigsten Augenerkrankungen bei Hunden. Müller: „Eine sterile physiologische Kochsalzlösung als Augenspüllösung ist daher ein Must-have in der Reiseapotheke!“ Sekrete oder kleine Fremdkörper wie Sand lassen sich mit einer Spritze (ohne Nadel) vorsichtig ausspülen. „Am wichtigsten bei Augenleiden ist jedoch, dass Sie Ihren Liebling daran hindern, das Auge zu reiben oder daran zu kratzen. Nehmen Sie daher am besten einen Halskragen mit.“
Hinweis Wir. Hier.:Infos zu Augenleiden in Folge einer Immunerkrankung

Erbrechen: Keine Panik, in vielen Fällen ist das kein Grund zur Sorge – das Erbrechen ist ein wichtiger Schutzreflex. Müller: „Oft erbrechen Hunde, weil sie ihre Nahrung zu gierig verschlungen haben und ihr Magen überreizt ist.“ Erbrechen und Übelkeit können jedoch auch Symptome einer Vergiftung, Magenverstimmung oder eines Magen-Darm-Infekts oder anderer ernsthafter Erkrankungen sein. Deshalb vorsorglich ein passendes Mittel einstecken. 
Hinweis Wir. Hier.: Unerträgliches und Giftiges für Hunde

Zeckenbisse: Zecken können Erreger gefährlicher Krankheiten übertragen, dazu zählen Borreliose, Anaplasmose oder FSME. Müller: „Ratsam ist ein spezieller Zeckenschutz oder eine Borreliose-Impfung – vor allem bei einer Reise in Gebiete mit einem höheren Risiko!“ Zeckenschutz-Mittel wie Spot-Ons, Halsbänder und Sprays gehören dann unbedingt in die Urlaubsapotheke. Müller: „Suchen Sie nach einem Spaziergang oder einer Wanderung Ihren Hund immer nach Zecken ab und entfernen Sie diese mit einer Zeckenzange oder Zeckenkarte. Achten Sie darauf, den Zeckenkörper nicht zu zerquetschen und ziehen Sie die Zecke horizontal heraus. Ist die Stichstelle nach Tagen noch gerötet oder geschwollen, kontaktieren Sie eine tierärztliche Praxis.“
Hinweis Wir. Hier.: Info zu Kautabletten für Hunde, welche anhaftende Zecken abtöten

Verletzungen: Raufen, spielen, ins Gebüsch springen – schon können Dornen, spitze Steine oder Splitter das Tier ebenso verletzen wie der Biss eines anderen Hundes oder die Krallen einer Katze bei einer Rauferei. Die Regeln bei Verletzungen erklärt Müller so: „Kleine Wunden und Schürfwunden kann man selbst verarzten. Die betroffene Stelle desinfizieren und eine Salbe zur Wundheilung auftragen!“ Verbandszeug, Desinfektionslösung und Wundheilmittel müssen also unbedingt ins Reisegepäck – ebenso wie ein Halskragen, damit der Vierbeiner die Wunde (und die Salbe) nicht ableckt. „Bei größeren, tiefen, eitrigen oder stark blutenden Wunden sollte man die Wunde professionell versorgen lassen“, rät die Tierärztin. 

Haben Sie noch einen Reise-Tipp für uns?
„Es gibt besondere landesspezifische Einreisebedingungen für Auslandsreisen mit dem Haustier, wie beispielsweise Impfungen oder die Maulkorbpflicht. Das sollte man unbedingt vor dem Reiseantritt klären.“ 
Hinweis Wir. Hier.: Informationen rund ums Impfen

In Kooperation mit der AGILA Haustierversicherung 

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