Chemie einfach erklärt

Ein Tag ohne Plastik und Plastiktüten?

Der 3. Juli ist Internationaler Plastiktütenfreier Tag. Warum ein solcher Tag trotz Plastiktütenverbot sinnvoll ist und wie sich in Zukunft Plastikverpackungen verringern lassen, erfahren Sie hier.

von Janis Berling

· Lesezeit 4 Minuten.
Einkaufen ohne Plastiktüten: Es gibt inzwischen viele Alternativen zur Plastiktüten. Um Plastikabfall zu mindern, sind bewusste Entscheidungen und gute Alternativen erforderlich. Foto: stock.adobe.com/puhimec

Wozu gibt es den plastiktütenfreien Tag?

Der Internationale Plastiktütenfreie Tag am 3. Juli möchte ein Zeichen für nachhaltige und aktive Müllvermeidung setzen. Der Aktionstag entstand 2011 unter Leitung des europäischen Netzwerks „Zero Waste“ in Katalonien. Seit 2014 nutzen die Aktiven ihn auch in Deutschland, um
•    Alternativen zu Plastiktüten aufzuzeigen,
•    für Mehrweg zu werben und
•    Hintergrundwissen zum Ressourcenverbrauch zu liefern. 
Auch Verbraucherverbände wie die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz klären darüber auf – nicht nur am internationalen plastiktütenfreien Tag.

Plastiktüten machen nur einen geringen Teil des Verpackungsmülls aus

Der Verbrauch an Plastik bleibt in Deutschland und Europa hoch und steigt sogar weiter an. Dabei machen Plastiktüten und weiteres, inzwischen ebenfalls verbotenes Einwegplastik wie Strohhalme nur einen geringen Teil unseres Plastikmülls aus. Daher geht die Suche nach umweltverträglichen Alternativen weiter.

Plastiktüten: Was ist verboten, was ist erlaubt?

Seit dem 1. Januar 2022 sind Einweg-Plastiktüten in Deutschland durch das Verpackungsgesetz verboten. Das Verbot bezieht sich jedoch vorerst nur auf Tüten mit einer Wandstärke von unter 50 Mikrometern. Auch für Bio-Plastiktüten, etwa aus Mais oder Kartoffeln, bedeutet dieses Gesetz das Aus. Denn sie bauen sich zu langsam ab und lassen sich nur schlecht recyceln. Erlaubt sind hingegen die dünnen Knotenbeutel, die man für loses Obst oder Gemüse verwendet. Sie haben nur eine Wandstärke von höchstens 15 Mikrometern.

Was spricht eigentlich für Plastikverpackungen?

Kunststoff ist für Verpackungen besonders gut geeignet, weil

  • er leicht und gut formbar ist,
  • relativ wenig Material verbraucht und
  • den Inhalt gut und hygienisch vor Schäden und Verderbnis schützt.

Die Chemieindustrie verbessert Verpackungsmaterialien, um deren Vorteile mit den steigenden Umweltansprüchen in Einklang zu bringen.

Was gibt es für Plastik-Alternativen?

Wie die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz bemerkt, bieten Dosen und Gläser keinen ökologischen Vorteil gegenüber Kunststoff, da ihre Herstellung viel Energie verschlingt. Papiertüten sind nur bedingt eine Alternative – nämlich dann, wenn sie aus Recyclingpapier bestehen. Überdies stoßen insbesondere bei Flüssigkeiten oder fettigen Zutaten herkömmliche Papierverpackungen an ihre Grenzen. Umso wichtiger ist für die Zukunft innovative Forschung, die neue Plastikalternativen entwickelt oder bestehende Lösungen verbessert.

Eiscreme-Becher aus Papierfasern

Huhtamaki Foodservice, ein Verpackungsunternehmen aus Alf an der Mosel, setzt auf Verpackungen aus Papierfasern, die auch Suppen und Salatsoßen standhalten. Gestartet habe man mit Becherdeckeln, da diese nicht durchgängig in Kontakt mit Flüssigkeit stehen. Zwar sei man von völlig plastikfreien Flüssigkeitsbehältern noch ein Stück weit entfernt, jedoch wachsen die Anwendungsbereiche für Papierfasern stetig, erzählt Geschäftsführer Hendrik Müller im Wir.Hear Podcast. „Das sind dann etwa Becher, in denen keine Getränke serviert werden, etwa für Eiscreme. Dies sind Fälle, die wir durchaus heute schon lösen können.“

Kompostierbare Kaffeekapseln aus Biokunststoff

BASF hat mit Ecovio eine Kunststoff-Alternative zu herkömmlichen Plastikverpackungen entwickelt, die in Zukunft etwa als Bioabfalltüten, als Folien für den Obst- und Gemüseanbau sowie für Kaffeekapseln eingesetzt werden können. Der Biokunststoff setzt sich aus Polymilchsäure und nachwachsenden Rohstoffen auf Zuckerbasis zusammen. Damit ist er einerseits leistungsfähig, belastbar und gleichzeitig vollständig kompostierbar. In Zukunft soll der Biokunststoff für weitere Anwendungsgebiete angepasst werden, etwa für Heißgetränkedeckel.

Eine neue Beschichtung von BASF macht Lebensmittelverpackungen aus Papier und Pappe beständiger gegen Flüssigkeiten, Öl und Hitze. Sie ist außerdem kompostierbar. Fotos: BASF

Eine neue Beschichtung von BASF macht Lebensmittelverpackungen aus Papier und Pappe beständiger gegen Flüssigkeiten, Öl und Hitze. Sie ist außerdem kompostierbar. Fotos: BASF

Fettresistente Papierbeschichtung für Lebensmittelverpackungen

Von BASF stammt zudem eine neue Extrusionsbeschichtung für Lebensmittelverpackungen, die Papier und Karton widerstandsfähiger gegenüber Flüssigkeiten, Ölen und Fetten macht. Ebenso hält sie Temperaturen von -40 und +100 °C aus und ist kompostierbar – sowohl in industriellen Anlagen als auf dem heimischen Komposthaufen. Die Beschichtung soll künftig etwa für Papierbecher, Verpackungen für Molkereiprodukte oder Süßwarenschalen verwendet werden und so zum organischen Recycling beitragen.

Recyclebare Pharmaverpackungen

Auch in der Pharmaindustrie ist Müllreduktion ein Thema. Boehringer Ingelheim gestaltete deshalb bereits 2019 ihren Respimat-Inhalator um, sodass dieser wiederverwendbar ist und die Patronen mehrfach gewechselt werden können. Eine 3-Monats-Packung verringere so den CO2-Fußabdruck im Laufe des Produktlebenszyklus um 57 Prozent, verglichen mit der zuvor üblichen 1-Monats-Packung. „Bloß, weil eine neue Maßnahme eingeführt wurde, heißt das noch lange nicht, dass das Thema damit erledigt ist“, so Alexander Oehm, der Abfallbeauftragte am Standort Ingelheim. „Boehringer Ingelheim ist ständig auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, den Kreislauf zu schließen.“
 

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