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Reportagen

Der Wohlfahrer

Michelin-Mitarbeiter radeln für den guten Zweck.

von Matilda Jordanova-Duda

· Lesezeit 3 Minuten.

Seit seiner frühesten Jugend sitzt Andreas Kropp in seiner Freizeit auf dem Fahrrad. 220 Kilometer am Stück sind für den Marathon-Fahrer inzwischen keine große Sache mehr: „Das mache ich zwei- bis dreimal pro Jahr.“ Dabei trainiert er weder für die Tour de France noch ist er Leistungssportler. Der 55-Jährige ist Ingenieur bei Michelin aus Bad Kreuznach. Hier hat er andere Radbegeisterte gefunden: „In einer Gruppe von Gleichgesinnten macht das Fahren mehr Spaß“, findet Kropp. Und hier sind sie nicht nur unterwegs, um fit zu bleiben, sondern auch, um Gutes zu tun.

Über 100 Micheliner, aber auch Familienangehörige, Studierende und Nicht-Mitglieder verabreden sich zum regelmäßigen Training am Mittwoch, zu gemeinsamen Touren am Wochenende und auch zu größeren Aktionen. „Bei unserer Jahresfahrt im August waren wir mehrere Tage in der Pfalz unterwegs“, sagt Kropp. Es gibt die Rennfahrer, „aber auch die Cappuccino-Truppe, die gerne eine Pause macht, Kaffee trinkt und die Landschaft erkundet“. Und das ist auch okay.

Radeln für den guten Zweck

Der Radklub ist die größte und vielleicht älteste Sport- und Hobbygruppe am Standort des Reifenproduzenten mit mehr als 1 600 Mitarbeitern. Bei vielen ihrer Aktivitäten sammeln die Radler Spenden, die an den Weißen Ring, die Fluthilfe und andere karitative Organisationen gehen. An welche, entscheidet der Verein von Fall zu Fall. Michelin verdoppelt den Betrag oder zahlt ein Kilometergeld. Für die Überschwemmungsopfer in der Umgebung kamen so 2016 über 3 600 Euro zusammen.

Das Unternehmen hilft auch mit Transport, Plakaten und Tontechnik aus, wenn der Klub Veranstaltungen organisiert. Verkehrserziehung ist dabei ein Schwerpunktthema, denn als Reifenhersteller engagiert sich der Konzern für sichere Mobilität. Und hier spielt der Radklub eine wichtige Rolle. Zusammen mit dem ADAC kümmern sich die Mitglieder darum, Schülern aus der Region sicheres Radfahren beizubringen – Bremsen, Abbiegen, einhändig Lenken. Personalleiter Peter Kubitscheck: „Mit diesem Engagement übernehmen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktiv Verantwortung für unsere Region und ihre Menschen. So füllen sie unsere Michelin-Unternehmenswerte ganz konkret mit Leben!“

Für Andreas Kropp bedeutet Vereinsarbeit, „dass man sich nützlich macht“. Es ist ja nicht so, dass er beruflich nicht ausgelastet wäre. Ganz im Gegenteil. Der Ingenieur für Automatisierungstechnik leitet die Energieversorgung des Werks, in dem er vor 27 Jahren gleich nach dem Studium anfing.

Immer besser werden

„Wir wollen die Energie so effizient wie möglich nutzen“, sagt Kropp und deutet auf eine Reihe von Tabellen, welche die einzelnen Parameter auflisten. Die Latte hängt hoch, denn Bad Kreuznach setzt auf dem Gebiet schon jetzt Bestmarken. Das ganze Werk wird mit der Abwärme aus der Produktion beheizt beziehungsweise – je nach Jahreszeit – gekühlt. Auf den Dächern erzeugen Solarzellen Ökostrom, der ins öffentliche Netz gespeist wird und für mehr als 1 700 Haushalte wie auch für die E-Autos und E-Bikes auf dem Firmenparkplatz ausreicht. „Die Latte wird aber immer höher gehängt“, sagt Kropp. „Jetzt wollen wir durch optimale Fahrweise der Anlagen bei der Drucklufterzeugung besser werden.“

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Seine Kollegen sieht er wegen seines Hobbys nicht nur während der Arbeitszeit, sondern auch nach Feierabend. „Wir können das sehr gut trennen“, lächelt er. „Man spricht während der Arbeit nicht übers Radrennen – und umgekehrt.“ Zu besprechen gibt es aktuell einiges. In der Adventszeit organisiert der Klub traditionell die Rentnerfeier der Micheliner und das Puppentheater. Jedes Jahr kommen mehr als 500 Kinder, um Kasperle und Co. zu sehen. „Es sind Kinder unserer Mitarbeiter, aber wir werben auch in den Kitas und den Schulen dafür.“ Der Verein steckt über 30 Stunden ehrenamtlicher Arbeit in die Vorbereitung dieser Veranstaltung. Die Eintrittsgelder werden an eine Organisation der Kinderhilfe gespendet – und wie immer verdoppelt Michelin die Einnahmen. In diesem Jahr gibt es noch einen Grund zum Feiern: „Ende Dezember haben wir unser 30. Vereinsjubiläum“, grinst der Marathon-Fahrer Andreas Kropp.

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