Arbeitspolitik

Wie Strafzölle der Chemieindustrie schaden können

Strafzölle und Protektionismus belasten die Chemieindustrie.

von Hans-Joachim Wolter

· Lesezeit 3 Minuten.
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Sie sollen Firmen in den USA vor Konkurrenz schützen: Zölle von 25 Prozent auf Stahlimporte sowie von 10 Prozent auf Alu-Einfuhren. Präsident Donald Trump hat sie verhängt. Noch sind Unternehmen in Europa davon ausgenommen, noch wird verhandelt. Bis Anfang Juni läuft die Schonfrist. Machen die USA dann Ernst, will die EU im Gegenzug Jeans, Whiskey und Harley-Davidson-Motorräder „made in USA“ mit höheren Zöllen belegen. Das kann sich schnell zu einem Handelskrieg mit mehr Zollerhöhungen ausweiten.

In der Chemieindustrie mache man sich daher „sehr große Sorgen“, berichtet Matthias Blum, Leiter Außenwirtschaft beim Verband der Chemischen Industrie in Frankfurt. „Eskaliert der Handelsstreit, wird die Chemie sicher mit hineingezogen“, befürchtet der Handelsexperte. „Dann könnten durchaus Arbeitsplätze bedroht sein.“ Wie aber würden sich höhere Zölle auswirken?

Chemieindustrie führte letztes Jahr Produkte für etwa 190 Milliarden Euro aus

Vor allem natürlich beim Export. Die deutsche Chemieindustrie liefert Produkte in viele Länder rund um den Globus. Letztes Jahr führte sie laut Blum Produkte im Wert von etwa 190 Milliarden Euro aus. Davon zwar mehr als die Hälfte in die EU, aber eben auch 11 Prozent in die USA. Mit Exporten von über 20 Milliarden Euro ist das Land der wichtigste Handelspartner der Branche. Die rheinland-pfälzische Chemie macht 16 Prozent ihres Exports in Amerika. Kommen höhere Zölle, drohen Umsatzrückgänge.

Auch beim Inlandsgeschäft könnte es Einbußen geben. Schon lange droht US-Präsident Donald Trump mit deftigen Zöllen auf Importautos der Marken Mercedes und BMW. Autohersteller sind wichtige Kunden vieler Chemieunternehmen. Ob Katalysatoren, Lacke und Farben oder Kunst- und Schaumstoffe – „die Chemieindustrie liefert 10 bis 20 Prozent ihrer Produktion hierzulande an die Auto-Industrie“, schätzt Experte Blum. Zollbedingte Umsatzeinbußen von Autokonzernen dürften sich deshalb auch auf Chemiefirmen auswirken.

Zölle können länderübergreifende Wertschöpfungsketten beeinträchtigen

Am wenigsten gefährdet scheinen die Geschäfte, die Konzerne wie BASF, Evonik oder die Freudenberg Gruppe mit ihren Fabriken und Werken vor Ort in den Vereinigten Staaten machen. Über 30 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften solche Chemie-Ableger laut der Deutschen Bundesbank mit ihren Produkten in den USA und deren Nachbarstaaten. Ganz außen vor dürften aber auch diese US-Dependancen nicht bleiben. Denn höhere Zölle können die länderübergreifenden Wertschöpfungsketten international agierender Konzerne beeinträchtigen: indem sie Vorprodukte aus Deutschland für Fabriken in den USA verteuern.

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Bei der BASF in Ludwigshafen hält man deshalb die „Minimierung von Handelsbarrieren und –zöllen für unerlässlich“. Am besten wäre, es kämen keine höheren Zölle und die offenen Märkte blieben erhalten. In den Chefetagen der Branche sowie beim Chemieverband in Frankfurt hofft man daher, dass die EU und die USA doch noch eine Lösung finden. „Denn“, so argumentiert Volkswirt Blum, „Protektionismus kennt am Ende nur Verlierer.“

In welche Länder die rheinland-pfälzischen Unternehmen exportieren, können Sie hier nachlesen.

Die größten Exportschlager aus Rheinland-Pfalz finden Sie hier.

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